Mit Lady Anja auf der Venus

Der abgesperrte Bereich am Stand ist schon voll, als ich auf die Knie gehe. Freitagmittag, die Hallenlichter hängen tief und gleichmäßig über den Gängen, und zwischen den Stimmen der Besucher klingt irgendwo weiter hinten eine Bühne. Lady Anja steht am Rand der Absperrung, das blonde Haar über die Schulter geschoben, und prüft die Leine. Das Latex quietscht leise, als sie sich dreht. Ich sehe ihre Absätze auf dem Hallenboden, die frischen French Nails an der Hand, die die Kette hält. Der Geruch von Gummi mischt sich mit dem der vielen Menschen und dem warmen Kunststoff der Messebauten. Mein Herz schlägt schneller als nötig. Die Knie sind schon warm vom Stehen davor.

Sie nickt knapp. Ich setze mich auf alle Viere. Die Leine spannt sich, und wir gehen los. Nicht schnell. Sie lässt mich das Tempo halten, während ihre Absätze vor mir klacken. Links und rechts bleiben Leute stehen. Manche heben die Handys, andere tun nur so, als würden sie weitergehen. Ein Mann mit Ticket-Band um den Hals bleibt länger stehen und schaut herunter. Lady Anja bleibt nicht stehen. „Weiter“, sagt sie. Ihre Stimme ist klar und nicht laut. Ich spüre den Blick des Mannes auf meinem Rücken, während ich weiterkrabble. Zwischen zwei Ständen muss ich anhalten, weil eine Gruppe entgegenkommt. Sie lässt mich sitzen bleiben, die Hände auf dem Boden, und spricht kurz mit jemandem, den sie kennt. Ich höre mein eigenes Atmen. Die Leine hängt locker. Als sie weitergeht, zieht sie einmal kurz an, und ich setze mich wieder in Bewegung. Der Boden ist uneben. An manchen Stellen klebt etwas. Ich vermeide es, hinzusehen.

In der Mitte des Gangs bleibt sie stehen. Zwei Frauen und ein Mann stehen in einiger Entfernung und schauen. Lady Anja hebt den Fuß und setzt den Absatz auf meine Hand. Nicht fest. Gerade genug, dass ich stillhalte. „Der hier gehört zu mir“, sagt sie zu den Dreien, als würde sie etwas erklären. „Keusch seit Wochen. Heute darf er mal wieder raus.“ Die Frauen nicken. Eine von ihnen lächelt. Ich schaue auf den Boden zwischen meinen Händen. Der Absatz liegt noch da, dann hebt sie ihn wieder. Wir gehen weiter. Einmal muss ich seitlich ausweichen, weil ein Wagen mit Material kommt. Sie wartet, bis ich wieder mittig bin, und sagt nichts dazu. Mein Handgelenk brennt leicht von der Kette. Weiter vorne lacht jemand laut. Ich halte den Kopf gesenkt und krabble.
Zurück am Stand lässt sie mich im abgesperrten Bereich auf dem Boden sitzen. Die Kamera für den Livestream steht links von uns und läuft. Lady Anja zieht sich die Handschuhe aus, die sie zwischendurch getragen hat, und streicht sich das Haar hinters Ohr. „Auf den Rücken“, sagt sie. Ich lege mich hin. Der Hallenboden ist hart und ein bisschen staubig. Sie stellt sich über mich, die Absätze links und rechts von meinen Rippen, und tritt mit einem Fuß auf meinen Bauch. Nicht schwer. Das Latex spannt über ihrer Brust, wenn sie sich vorbeugt. Ich sehe die Form darunter und den Ansatz ihres Halses. „Bleib liegen“, sagt sie. Sie geht ein paar Schritte über mich, setzt die Absätze gezielt, einmal auf den Oberschenkel, einmal dicht neben die Leiste. Der Keuschheitsgürtel drückt. Ich spüre die Metallkanten, wenn sich etwas bewegt. Sie bleibt stehen, schaut kurz zur Kamera, dann zu mir herunter. „Zeig ihn.“

Ich öffne den Verschluss, so weit es geht, und halte die Stäbe auseinander. Der Gürtel bleibt an. Zwei Männer mit Tickets stehen an der Absperrung und schauen zu. Lady Anja winkt sie näher. „Seht euch das an“, sagt sie. „Der kommt nicht raus. Nicht heute, nicht morgen.“ Einer der Männer fragt etwas, das ich nicht verstehe. Sie antwortet knapp und trocken. Ich liege da und halte den Gürtel offen, bis sie sagt, ich solle ihn wieder schließen. Die French Nails streifen einmal über meinen Oberschenkel, als sie sich aufrichtet. Es brennt kurz. Sie geht zum Tisch am Rand des Stands, nimmt ein Glas Wasser und trinkt. Ich bleibe liegen, bis sie mich wieder auf die Knie schickt. Mein Rücken ist kalt vom Boden. Die Zuschauer gehen weiter. Eine Frau bleibt noch einen Moment stehen und fotografiert etwas anderes.
Der Nachmittag zieht sich. Zwischen den Vorführungen gibt es Pausen, in denen ich Wasser hole oder die Absperrung richte. Einmal kommt jemand von der Security vorbei und spricht kurz mit ihr. Sie nickt, und er geht weiter. Die Kamera läuft die meiste Zeit. Manchmal spricht sie direkt hinein, kurze Sätze, die eher an die Zuschauer gerichtet sind als an mich. Ich knie daneben und warte. Meine Knie tun weh. Die Leine liegt auf dem Boden neben mir. Einmal lässt sie mich einen Moment aufstehen, um die Beine zu strecken, und schickt mich gleich wieder runter. Der Gürtel sitzt fest. Ich spüre ihn bei jeder Bewegung. Gegen später kommt eine kleine Gruppe mit Tickets näher. Lady Anja lässt mich auf allen Vieren vor ihnen posieren, kurz, und sagt ihnen, sie dürften schauen, aber nicht anfassen. Einer lacht leise. Sie schaut ihn an, und er hört auf. Dann schickt sie die Gruppe weiter.

Als die Messe langsam leerer wird, lässt sie mich aufstehen, die Hose wieder richtig anziehen und den Gürtel unter dem Shirt verstecken. Wir gehen zum Ausgang. Draußen ist es schon dunkel. Im Taxi sagt sie nichts. Ich sitze neben ihr und schaue aus dem Fenster. Die Stadtlichter ziehen vorbei. Meine Schultern sind steif. Im Hotelzimmer zieht sie die High Heels aus und stellt sie neben die Tür. Das Latex glänzt unter der Deckenlampe. Sie öffnet den Reißverschluss am Rücken und lässt das Outfit auf den Boden gleiten, dann zieht sie sich etwas anderes über. Ich knie auf dem Teppich und warte. „Hol Wasser“, sagt sie. Ich gehe ins Bad, fülle zwei Gläser und stelle sie auf den Tisch. Als ich zurückkomme, sitzt sie auf dem Bett und tippt auf dem Handy. Der Lover kommt eine Viertelstunde später. Er klopft, ich öffne die Tür. Er nickt mir kurz zu und geht an mir vorbei. Lady Anja steht auf, küsst ihn und schickt mich auf den Stuhl in der Ecke.

Sie lässt sich Zeit. Der Lover sitzt auf der Bettkante, sie steht vor ihm und zieht sich das Oberteil aus. Ihre Oberweite ist deutlich, als sie sich vorbeugt. Sie spricht mit ihm, leise, und lacht einmal kurz. Ich sitze still und schaue zu. Der Keuschheitsgürtel sitzt fest. Sie setzt sich auf seinen Schoß, bewegt sich langsam, und ich höre das Bett. Zwischendurch schaut sie zu mir herüber. „Hol die Schuhe“, sagt sie. Ich stehe auf, nehme ihre High Heels und stelle sie ordentlich neben den Schrank. Als ich wieder sitze, hat sie sich umgedreht und reitet ihn. Ihre Nägel liegen auf seiner Schulter. Sie bewegt sich in ihrem Tempo, nicht in seinem. Einmal sagt sie etwas zu ihm, das ich nicht verstehe, und er antwortet leise. Sie lässt ihn nicht kommen, bis sie selbst soweit ist. Ich sehe, wie sie den Kopf zurücklegt und die Augen schließt. Danach bleibt sie einen Moment auf ihm sitzen, atmet, und steigt dann ab. Der Lover streicht ihr über den Rücken. Sie lässt es zu, kurz.

Sie zieht sich etwas über und setzt sich auf die Bettkante. Der Lover geht ins Bad. Lady Anja schaut zu mir. „Komm her.“ Ich knie vor ihr. Sie streicht mir einmal mit der Hand über den Kopf, die Nägel kurz und sauber. „Du hast zugeschaut. Gut. Der Gürtel bleibt bis Montag. Das weißt du.“ Ich nicke. Sie steht auf, geht zum Schalter und macht das Licht aus. Im Dunkeln sagt sie: „Bedank dich und hol dir die Decke. Du schläfst da unten.“ Ich sage den Satz, den sie hören will, leise, und lege mich auf den Teppich. Die Decke ist dünn. Ich höre sie sich im Bett bewegen, dann wird es still. Der Gürtel drückt bei jeder kleinen Bewegung. Draußen fährt ein Auto vorbei. Ich bleibe liegen und warte, bis ich einschlafe. Im Bad läuft kurz Wasser. Dann ist es wieder ruhig. Meine Knie pochen noch vom Nachmittag. Ich ziehe die Decke höher und halte die Augen geschlossen.


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